Ortsgruppen/Bonn/Protokoll 09-12-19

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Trotzdem Gevatter Frost gar grimmig tobte, fanden sechs durchfrorene Gestalten ihren Weg ins Kleinbonnum, um dort gemeinsam die sorgfältigst unvorbereitete Tagesordnung umzustoßen und über alles zu reden, was mit Datenschutz und digitalen Bürgerrechten zu tun hat.

Die mit zwei Zuschauern recht übersichtlich besuchte Vorführung von "Strange Culture" im Rahmen des bundesweiten Übermacht-Filmfestivals im Bonner Rex wurde schulterzuckend ad acta gelegt. Viele fanden den Film nicht besonders berauschend, und über die Sinnhaftigkeit einer Diskussionsrunde, deren Teilnehmer bis auf die erwähnten zwei Zuschauer sich ohnehin schon kannten, lässt sich trefflich streiten. Der Konsens lautete: Viel hat das daheimgebliebene Bonner Volk nicht verpasst.

Von der "Podiumsdiskussion" (die Zahl der Anführungszeichen müsste eigentlich noch deutlich höher sein) im Rex schwenkte das Thema zu den schon lange geplanten Privacy-Workshops, und hier hat sich tatsächlich einiges getan. An der Bonner Waldorfschule findet im Januar eine Vortragsreihe zum Thema Computersicherheit statt. Besucher sind herzlich willkommen.

Vom Thema Privacy-Workshop im Speziellen zu Vorträgen im Allgemeinen: Wer Redner zu (digitalen) Bürgerrechten braucht, kann sich gern an die Freiheitsredner wenden, von denen sogar zwei am Tisch saßen. Da das Ganze auf ehrenamtlicher Basis geschieht, fallen keine Honorarkosten an, lediglich die Fahrtkosten hätten die Redner gern erstattet, und gegen einen Imbiss bei längeren Veranstaltungen hätte bestimmt niemand etwas einzuwenden.

Vorträge scheinen gerade en vogue zu sein. In Bonn gibt es im Moment mehrere Vortragsreihen mit interessanten Themen und Rednern. Zu einer Veranstaltung mit Gerhart Baum gab es auf der Mailingliste eine ausführliche Besprechung, eine Veranstaltung mit Padeluun wir in einem Blog gewürdigt.

Padeluun? FoeBuD? Rena Tangens? Big Brother Awards? Sind jetzt hier alle am Tisch durchgedreht? Wovon redet ihr? Was das Durchgedrehte anbelangt, kann dies durchaus sein, für die anderen Fragen weiß die Informationskloake weiter.

Ein weiteres Thema, zu dem sich eine schöne Veranstaltung aufziehen ließe, wären das Buch und der Film 1984. Postmans These, Orwells Visionen seien durch Huxleys Vorstellung einer Amüsierkultur überholt worden, widersprechen unter anderem Vertreter des CCC. Ihre These: Wir sind stellenweise viel weiter, als Orwell befürchtete. Zur Frage, ob wir heute in der Welt Huxleys, Orwells oder in einer Mischform beider leben, gibt es einige sehr anregende Vorträge Michael Weshs. Die dort beschriebene Kultur der kollektiven Ideenverarbeitung in Youtube ist eng verwandt mit dem Thema Meme - nicht zu verwechseln mit Mememe, was der Text des wohl berühmtesten Werkes eines Bonner Komponisten ist. Wohlgemerkt: Bonner Komponist, liebe Österreicher, genau wie Ihr den Typen aus Braunau gern hättet behalten können.

Zurück zum Thema Datenschutz. Unter anderem tauchte die Frage auf, ob der AK-Vorrat alle Mails signiere. Die Antwort lautet: Nein, aber wer signieren will, kann dazu beispielsweise GnuPG benutzen. Die Gelegenheit nutzend übergaben zwei Vorratsdatenspeicherer auch gleich die Abdrücke ihrer öffentlichen Schlüssel. Betont sei an dieser Stelle allerdings, dass sie nicht ihre Ausweise gezeigt hatten, dass also die Empfänger genau genommen nicht mehr wissen, als dass zwei Leute, die sie in einer Bonner Kneipe getroffen haben, wahrscheinlich Zugriff auf die privaten Schlüssel haben, die hinter diesen Abdrücken stehen.

Weiterhin ging es um die Frage, was Tor kann, wo seine Grenzen sind und welche Alternativen es gibt. In diesem Zusammenhang sei die Privacybox als Möglichkeit genannt, von Anonymen Mails empfangen zu können.

Natürlich stellt sich bei all dem die Frage: Wozu das Ganze? Es gibt hierzu eine lange und eine kurze Antwort: Erstens ist es ein Grundrecht, zweitens steht es jedem frei, dieses Grundrecht nicht für sich in Anspruch zu nehmen, drittens hat angeblich niemand etwas zu verbergen, aber jeder schließt die Klotür hinter sich.

"Im Internet weiß keiner, dass du ein Hund bist", stimmt zwar grundsätzlich, dennoch wollen die meisten Nutzer im Netz ein mehr oder weniger geschöntes Bild ihrer realen Person vermitteln. Dummerweise vergisst das Netz tendenziell sehr wenig, und das Foto vom Besäufnis auf dem Oberstufenfest, das einst die Tür zu so mancher Party öffnete, kann bei der Bewerbung bei einer Bank das Vorstellungsgespräch beenden, noch bevor die Einladung verschickt wird.

Datenskandale im Jahr 2009 Heinz-Nixdorf-Forum

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